Q&A by Vibia: Interview mit Toan Nguyen

11 Januar, 2017

Toan Nguyen portrait by Andrea Basile

 

– Sie sind Designer, in Paris geboren, leben aber in Mailand. Wie haben diese beiden Städte Ihre persönliche Einstellung und Ihre Arbeitsweise beeinflusst?

Die Tatsache, dass ich mein ganzes Leben in Städten verbracht habe, lässt mich immer öfter von der Natur träumen, von endlosen Landschaften und sauberer Luft zum Atmen. Heute ist Paris die Stadt meiner Familie und meiner Erinnerungen, während Mailand die Stadt ist, für die ich mich der Arbeit wegen entschieden habe; als Person würde ich mich also als Franzosen definieren, aber dennoch bin ich ein italienischer Designer.

 

– Wenn Sie ein besonderes Material für Ihre Arbeit wählen sollten, welches wäre das?

Ich arbeite mit den meisten Materialien gern, aber ich bevorzuge Naturmaterialien mit langer Tradition. Gleichzeitig empfinde ich es auch als sehr stimulierend, wenn ich Gelegenheit bekomme, mit ganz neuem und innovativem Material zu arbeiten, das noch nie benutzt wurde.

 

– Was darf in Ihrem Kühlschrank nie fehlen?

Um ganz ehrlich zu sein, ich fühle mich eher für den zweiten Kühlschrank zuständig, den Weinkühlschrank. Da habe ich immer eine gute Flasche Weißwein und auch einen guten Rotwein auf Lager.

 

– Welchen Moment des Designprozesses genießen Sie am meisten? Die Idee, die ersten Skizzen, den Prototyp…

Bei diesem Prozess ist jede Phase gleichermaßen aufregend: der Moment, wo die Idee kommt und man die ersten Skizzen macht, was praktisch dasselbe ist, dieser Augenblick läuft eher innerlich ab und bringt einen dazu, über die scheinbaren Grenzen des Projekts hinauszudenken. Die folgenden Phasen bestehen in harter Arbeit, um das, was unmöglich scheint, möglich zu machen.

 

– Mit welcher berühmten Persönlichkeit würden Sie gern mal einen Tag verbringen?

Eine schwierige Wahl! Da fallen mir so viele Namen und Gesichter ein, Künstler, Regisseure, Musiker usw. Aber andererseits ist es schwer, nicht an die beispiellose Krise zu denken, mit der unsere Gesellschaft heute fertigwerden muss. Ich hätte so viele Fragen an jemanden, der noch viel zu sagen hat und demnächst vielleicht über etwas mehr freie Zeit verfügt: Barak Obama.

 

– Haben Sie Hobbys, die gleichzeitig eine Quelle der Inspiration für Ihre Arbeit sind?

Was mich am meisten inspiriert, sind Reisen. Dabei betrachte ich alles um mich herum durch das Prisma des Designers.

 

– Was war die bewegendste Erfahrung Ihres Lebens?

Ohne jeden Zweifel die Geburt meiner Kinder.

 

– Welches Buch sollte man unbedingt gelesen haben?

Für mich ganz klar „Lob des Schattens – Entwurf einer japanischen Ästhetik“ von Jun’ichirō Tanizaki. Dieser Essay hat 1933 die japanische Ästhetik und ihre Werte beschrieben, die in starkem Gegensatz zu den gesellschaftlichen Veränderungen und dem „schlechten Einfluss“ Europas standen. Das Buch ist noch heute unglaublich modern. Jeder Designer sollte es lesen.

 

– Was ist Ihre größte Stärke, was Ihre größte Schwäche?

Ich bin sehr perfektionistisch und ich bin sehr perfektionistisch.

 

– Was (ein Gebäude, eine Stadt, ein Kunstwerk…) sollte man Ihrer Meinung nach wenigstens einmal im Leben gesehen haben?

Auf diese letzte Frage kann ich leider nicht antworten, weil ich so viele Dinge noch nicht gesehen habe, die ich mir in den nächsten hundert Jahren erst noch anschauen muss.

Die Algorithm Kollektion, von Toan Nguyen für Vibia entworfene, steht in Kürze auf unserer Website zur Verfügung.