Prognose 2020: Fachleute aus Architektur und Innenraumgestaltung äußern ihre Meinung

17 Januar, 2020

Neues Jahr, neue Perspektiven. Wir haben uns an eine Gruppe namhafter internationaler Designer und Architekten gewandt, an deren Prognose hinsichtlich der Perspektiven der Innenraumgestaltung 2020 wir sehr interessiert sind. Hier nun ihre Einschätzungen zu den Herausforderungen und Chancen des Designs im neuen Jahr, von den Auswirkungen auf die Umwelt bis hin zur wachsenden Bedeutung der Symbolik, sowie den Möglichkeiten einer Umsetzung.

Susanna Cots – Innenarchitektin
Susanna Cots Interior Design

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Ich glaube, dass es an der Zeit ist, uns in einer Welt, in der wir mehr denn je miteinander kommunizieren, auf uns selbst zurückzubesinnen.

Wir haben ein starkes Bedürfnis danach, den Blick nach innen zu richten, nach unserem eigenen Platz zu suchen, zu lernen auf unsere Gefühle zu hören und bereichernde Lösungen in unsere Räume zu integrieren.

„Minimaler Ausdruck, maximale Emotion“ —das ist unser Leitmotiv.

Wir bewegen uns hin zu einem nachhaltigeren und rationaleren Design, um damit Atmosphären zu kreieren, die uns Geborgenheit geben. Räume, in denen Emotion und Rationalität Hand in Hand gehen, einfach und unkompliziert.

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Andrea Pirruccio – Redakteur Beleuchtung
Interni Magazine

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Ich glaube, dass die neuen Herausforderungen in Architektur und Innenraumgestaltung im Jahr 2020 und den Folgejahren schwerpunktmäßig auf den Umweltauswirkungen jedes Projekts liegen.

Was die Innenarchitektur angeht —das Gebiet, mit dem ich mich beschäftige— hoffe ich auf Auffrischungslektionen von den Meistern des Rationalismus.

Kreative wie er sahen Design als etwas an, das Probleme löst, mit Knappheit umzugehen weiß und gleichzeitig unser tägliches Leben schöner macht.

Man sollte mit dem Wesentlichen beginnen, um bessere Produkte zu entwickeln, die auf die Umwelt fokussieren. Nützliche und schöne Produkte, einfach zu demontieren und so recyclefähig wie nur möglich. Das ist meine Vorstellung davon, wie man an Projekte herangehen sollte.

Gordon Ngan – Architekt
Plot Architecture Office

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Wir haben heute sehr viel mehr Möglichkeiten, Bilder und unsere Reaktionen darauf miteinander zu teilen. Daher muss ein Projekt heute auffälliger und mutiger sein, wenn es sich von anderen abheben will.

Ich habe das Gefühl, dass wir im nächsten Jahr noch mehr Projekte mit starken visuellen Eindrücken begegnen werden.

Während wir den neuen Vorgaben folgen, werden wir uns gleichzeitig der Herausforderung eines kontextspezifischen Vorgehens stellen müssen, mit dem wir unserer eigenen Design-Philosophie treu bleiben.

Das ist wichtig, weil Design nur dann von Dauer sein kann, wenn es nach dem ersten Eindruck nicht belanglos wird, sondern neue Werte zu erzeugen imstande ist.

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Maryam Aghajani – Lighting Designer
Jack Be Nimble

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Ich denke und hoffe, dass die Trends bei Beleuchtung, Architektur und Innenraumgestaltung hin zu nachhaltigen und widerstandsfähigen Verfahren gehen.

Es ist keine Neuigkeit, dass wir in den kommenden Jahren mit großen Problemen wie der globalen Erwärmung und einer dramatisch anwachsenden Bevölkerung konfrontiert sein werden.

Diese Ereignisse stellen mit Sicherheit eine treibende Kraft für künftige Trends und Entscheidungen im Hinblick auf die Baukultur dar.

Daher sehe ich für die Zukunft einerseits neue nachhaltige Methoden und Materialien —wie etwa recycelte Mischungen und Harze— und andererseits neue technologische Verfahren, die sowohl den Nutzern als auch unserem Planeten zugutekommen.

Daneben werden wir mehr Möglichkeiten haben, intelligente und integrierte Lichtsteuerung und Beleuchtungssysteme zu erforschen, was zu besseren und adäquateren Ergebnissen für die Stunden der Dunkelheit führen wird.

Das zentrale Ziel für Designer-innen muss darin bestehen, Umgebungen bewusst zu schaffen, die den Alltag der Menschen durch Licht und andere bauliche Elemente bereichern.

Carola Vannini – Architektin
Carola Vannini Architecture

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Im Bereich der Innenarchitektur wird es Veränderungen hin zu wärmeren Materialien und Farben geben und eine partielle Aufhebung der Dominanz von Weiß.

Der Geschmack von Kunden und Fachleuten entwickelt sich in eine neue Richtung, hin zur Schaffung von Lebensräumen, die ein Gefühl von Ruhe und Wellness vermitteln.

In diesem Zusammenhang werden Farbpaletten zunehmend wichtiger, damit ein Gleichgewicht entstehen kann, das den Blick ganz natürlich über Architektur und Möbel fließen lässt. In der Architektur ist es dringend erforderlich, den Raum, in dem ein Projekt entsteht, zu kontextualisieren, ihn zu interpretieren und Harmonie mit den neuen Elementen herzustellen.

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Claudio Moltani – Journalist
Design Diffusion

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Ich glaube, dass die größte Herausforderung für die Welt der Innenraumgestaltung -und insbesondere für die Architektur- darin besteht, unabhängig von Modeerscheinungen auf drei wirkliche Bedürfnisse zu reagieren: Beteiligung, Sicherheit und Nützlichkeit. Und eine Verbundenheit zwischen diesen Bedürfnissen herzustellen.

Meines Erachtens ist das sehr wichtig, denn es unterscheidet sich ganz wesentlich davon, reine Marketingziele zu verfolgen.

Darüber hinaus sollte eine solche Verbundenheit auch berücksichtigen, dass die so genannte “grüne Ökonomie” zu einem wichtigen Schwerpunkt werden muss (beispielsweise indem in allen neuen Wohnkomplexen Ladestationen für Elektroautos angeboten werden).

Die Rolle des Lichts wird dabei von grundlegender Bedeutung sein, um die Verbundenheit der Bedürfnisse mit dem rein ästhetischen Aspekt zu verknüpfen.

Ich erwarte sehr interessante neue Ansätze von der Messe Light + Building und von den architektonischen Beleuchtungsfirmen.

Elena Cattaneo – Journalistin
CasaFacile, Di di Repubblica, D Casa, Interni

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Die Umweltbelastung ernsthaft zu reduzieren, ist meines Erachtens heute der einzig richtige Weg.

Das mag nach einem längst etablierten, möglicherweise abgedroschenen Konzept klingen, aber in Wirklichkeit steckt dieser Gedanke noch in den Kinderschuhen.

Ein solches Umweltkonzept erfordert komplexe Veränderungen in Analyse und Forschung sowie die Investition in Zeit und personelle wie wirtschaftliche Ressourcen.

Mit anderen Worten, ein gutes Projekt muss immer langfristig und mit Blick auf die Zukunft angelegt werden.

Im Hinblick auf Produkte und Architektur ist es wichtig, folgende Aspekte zu berücksichtigen:
– Möbel und Materialien sollten nur von Herstellern bezogen werden, die bereits damit begonnen haben, nachhaltige Produktionsverfahren einzuführen.
– Es muss darum gehen, den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen zu entsprechen und nicht nur den gerade geltenden ästhetischen Trends.
– Wir müssen inklusive und multi-proaktive Innenräume und öffentliche Räume entwerfen bzw. private Räume, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, um so Bereiche zu schaffen, die Menschen willkommen heißen und ihnen die Möglichkeit bieten, verschiedene Aktivitäten am selben Ort durchzuführen.

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