///Etablierte Designtrends auf der Mailänder Designwoche 2019

Etablierte Designtrends auf der Mailänder Designwoche 2019

2019-04-18T12:14:55+00:0018/04/2019 |

Vermutlich gibt es auf der ganzen Welt kein anderes Design-Festival, das mit der Mailänder Designwoche vergleichbar wäre. Der Verfasser dieses Textes hat keineswegs die Absicht, diese Messe über andere zeitgenössische Ausstellungen ihrer Art zu erheben, sondern möchte lediglich anmerken, dass sie einfach in einer eigenen Liga spielt. Während mehrerer Tage im April übernimmt die Welt des Designs im wahrsten Sinne des Wortes die Kontrolle über das Zentrum von Mailand: die Straßen, auf denen die Fachwelt über geheiligten Grund läuft-flaniert-rennt, sind mit kreativem Gold gepflastert. Die Designwoche ist nicht nur für Erstbesucher, sondern sogar für die abgehärtesten Veteranen immer ein unvergessliches Erlebnis.

Im Wesentlichen unterteilt sich die Milan Design Week in die Möbelmesse Salone del Mobile (auf dem riesigen Messegelände Fiera Milano City am Stadtrand von Mailand) und den Fuorisalone (mit zahlreichen Events, die über die ganze Innenstadt verteilt sind).

Aufgrund des enormen Ausmaßes der Messe ist es praktisch unmöglich, alles zu sehen und an allen Veranstaltungen teilzunehmen. Jeder noch so gut vorbereitete Besuchsplan kann schnell vereitelt werden, und zwar nicht nur durch die endlosen Pulks von Fachleuten, die auf der Suche nach den neuesten Designs sind, oder die unvermeidlichen Schlangen bei den Must-See-Events, sondern auch durch die unumgehbare Tatsache, dass man die turbulente Mailänder Innenstadt durchqueren muss. Nach persönlicher Erfahrung des Textverfassers ist es das Beste, erst einmal tief durchzuatmen, dann alle Bedenken in den Wind zu schlagen und einfach nur zu schauen, wohin einen die Mailänder Designwoche so bringt.

 

Etablierte Designtrends

In vielerlei Hinsicht sind Trends der Ausdruck subjektiver Facetten von Design. Manche dieser Trends haben wenig Substanz und Tiefe – sie kommen und gehen. Andere dagegen bewegen sich unaufhaltbar nach vorn und entwickeln sich immer weiter – Voraussetzungen für eine lange Lebensdauer etablierter und respektierter Designtrends. Auf der Mailänder Designwoche gab es überall viele Anzeichen für solche etablierten Designtrends, darunter beispielsweise: Innovatives im Bereich Lichtdesign, der durchdachte Umgang mit Naturmaterialien, Design als Reise, Indoor-Outdoor-Möbel mit Doppelfunktion, die Wiedereinführung von Designklassikern sowie kreative Ansätze zur Wiederverwendung von Kunststoff.

 

Innovatives im Bereich Lichtdesign

In diesem Jahr hat der Salone del Mobile wieder die alle zwei Jahre stattfindende internationale Beleuchtungsausstellung Euroluce beherbergt, das führende Event im Bereich Licht und Beleuchtung. Daher war Vibia sehr stark auf der Messe vertreten, wo die Firma eine inspirierende Palette neu entwickelter, innovativer Lichtdesigns präsentiert hat. Die über mehrere fachkundig kuratierte Räume und Szenarien verteilten Kollektionen konnten die Neugier zahlloser Design-Fans wecken. Vibia hat den Schwerpunkt ganz klar auf atmosphärische Gestaltung, minimalistisches Design und Wohlfühl-Ambiente gelegt, was ohne jeden Zweifel die Aufmerksamkeit einer sehr großen Anzahl an Messebesuchern auf den Stand der Marke gelenkt hat. Der Verfasser sieht sich außerstande, nur ein herausragendes Design der neuen Kollektionen von Vibia auszuwählen, daher hat er sich auf zwei verlegt:

Plusminus gehört zur Avantgarde der technischen Entwicklung auf dem Beleuchtungssektor. Die Kollektion ist ein Entwurf des deutschen Industriedesigners Stefan Diez, der eine radikale Weiterentwicklung der typischen Lichtleiste präsentiert, bei der flexible, leitfähige textile Materialien -Gurte oder Bänder- zum Einsatz kommen. Leuchten in verschiedenen Formen und Größen können frei an jeder gewünschten Stelle auf dem Gurt platziert werden und erlauben eine extensive Anordnung von Lichtkompositionen. Der beliebig ausziehbare Textilgurt kann vertikal, horizontal, diagonal oder in einer Kombination verschiedener Positionen und Platzierungen verlaufen.

 

Vibia Stories - Plusminus by Stefan Diez

 

Vibia Stories - Plusminus by Stefan Diez

 

Vibia Stories - Plusminus by Stefan Diez

Plusminus, ein Entwurf des deutschen Industriedesigners Stefan Diez

 

Der israelische Künstler und Industriedesigner Arik Levy kreierte Sticks, eine Kollektion länglicher Leuchtstäbe im Grafikstil. Die äußerst vielseitig einsetzbaren Stableuchten können von einer Wand zur Decke hin gespannt werden, sich senkrecht vom Boden ausgehend gegen eine Wand stützen oder in verschiedensten künstlerischen Formationen angeordnet werden. Sticks steht für Klarheit und Übersichtlichkeit, wundervoll zeitgenössische Neonleuchten in Winkeloptik.

 

Vibia Stories - Sticks by Arik Levy

 

Vibia Stories - Sticks by Arik Levy

Sticks by Arik Levy 

 

Wohlüberlegter Einsatz natürlicher Materialien

Der wohlüberlegte Einsatz natürlicher Materialien für moderne Designobjekte zeigt uns immer wieder außergewöhnliche Beispiele erlesener Handwerkskunst. Naturstoffe wie Marmor, Leder und Holz werden von bewusst damit arbeitenden Handwerkern und Designern mit Umsicht und Respekt behandelt.

Das altehrwürdige italienische Unternehmen Marsotto, das sich der Steinbildhauerei widmet, präsentierte verschiedene Objekte der Marsotto edizioni, einer wirklich außergewöhnlichen Sammlung von Gegenständen und Möbeln aus Marmor. In der Ausstellung mit dem Titel ‘Eins, zwei, drei, Marmor’ (in Anspielung auf die drei Marken des Unternehmens) wurden Objekte einiger der berühmtesten Designer der Gegenwart gezeigt. Der für das jeweilige Design verwendete Marmor unterstreicht als wertvoller Rohstoff den Sinn für harmonische Form und Vollkommenheit, den dieses Material ausstrahlt.

 

Vibia Stories - Marsotto edizioni Place Wardrobe by Philippe Malouin

The Place Wardrobe by Philippe Malouin. Bild über Architonic

 

Vibia Stories - Marsotto edizioni Ballerina by Oki Sato

The Ballerina 72 dining table by Oki Sato of Nendo. Bild über Architonic

 

Studioart, die italienische Marke für Innenausstattungen aus Leder, präsentierte die Lederwandverkleidungen ihrer unverwechselbaren California Dreaming Collection, einer Kreation des in Los Angeles ansässigen Designers Adam Hunter. Die Kollektion zeigt elegante, in Handarbeit in Italien hergestellte Lederverkleidungen mit modernem Flair.

Bel Air, Teil der California Dreaming Collection, ein dekonstruierter Ombré (Färbetechnik mit schattierender Farbwirkung).

 

Vibia Stories - Studioart Bel Air by Adam Hunter

 Foto ©Studioart Leather Interiors SRL

 

Very Wood ist ein italienisches Unternehmen, das sich auf Design und Kreation von Sitzmöbeln aus Holz spezialisiert hat. Bei seinem Debüt auf dem Salone del Mobile präsentierte Very Wood eine Auswahl an Stühlen, Sofas, Bänken und Hockern, die aus wahrer Passion und Bewunderung für Holz, den natürlichsten aller Rohstoffe, entstanden sind.

 

Vibia Stories - Very Wood ODEON barstool by This Weber

Barhocker ODEON, ein Entwurf des Schweizer Designers This Weber. Bild über This Weber

 

Design als Reise

Design ist Teil einer Geschichte, die sich kontinuierlich weiterentwickelt – die Geschichte einer großartigen Reise, deren Route von unzähligen Erfindungen, Neuerungen und inspirierenden Momenten bestimmt wird. Während der Mailänder Designwoche präsentierte Herman Miller die Ausstellung ‘All Together Now’. Darin wurden die immer weiter wachsenden, nahezu endlosen Designmöglichkeiten der großen globalen Markenfamilie der Herman Miller Group aufgezeigt, u.a. Design Within Reach, Maharam und Hay.

 

Vibia Stories - Herman Miller All Together Now

 

Vibia Stories - Herman Miller All Together Now

Herman Miller ‘All Together Now’. Foto NicholasCalcott© Herman Miller, Inc

 

Doppelfunktion: Außen- und Innenmobiliar

Die Beliebtheit von Indoor-/Outdoor-Möbeln mit Doppelfunktion hat in dem Maße zugenommen, in dem die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum-Design verschwommen sind. Ganz egal, ob es um platzsparende Lösungen geht, oder ob man sich Kostenzwängen beugen muss, Möbel mit Doppelfunktion sind in jedem Fall praktisch und werden immer häufiger nachgefragt.

Der Stuhl Plato, den der Designer Jasper Morrison für die italienische Markenikone Magis entworfen hat, ist klar, minimalistisch, vielseitig und robust. Verwendbar sowohl in Innen- wie in Außenräumen ist dieser gebrauchsorientierte Stuhl von der Neoklassik inspiriert, daher auch sein Name. Die Ausgewogenheit zwischen Form/Funktion und Ästhetik machen aus Plato ein Paradebeispiel für gutes Design.

 

Vibia Stories - Magis Plato chair by Jasper Morrison

Der farbenfrohe Stuhl Plato, ein Entwurf von Jasper Morrison. Foto © Magis Spa

 

Neustart für Designklassiker

Viele der traditionsreichsten Marken der Welt, insbesondere aus Skandinavien, beherbergen in ihren Archiven wahre Schätze noch unentdeckter und außergewöhnlicher klassischer Designs. Diese Marken – Artek, Carl Hansen & Søn, Fritz Hansen und House of Finn Juhl, um nur einige zu nennen – haben einen Weg gefunden, um das Vermächtnis einiger der größten Möbeldesigner der Geschichte zu pflegen: fast jedes Jahr erwecken sie klassische Designs zu neuem Leben.

Auf der Mailänder Möbelmesse Salone del Mobile präsentierte House of Finn Juhl den Stuhl Grasshopper des dänischen Tischlermeisters und Namensgebers der Marke. Der Originalentwurf für den Stuhl, von dem damals nur zwei Exemplare hergestellt wurden, stammt aus dem Jahr 1938. Der Grasshopper war einer der ersten Versuche Juhls, seine künstlerische Freiheit in Form eines Möbelstücks zum Ausdruck zu bringen.

 

Vibia Stories - Finn Juhl Grasshopper chair

 

Vibia Stories - Finn Juhl Grasshopper chair

 

Vibia Stories - Finn Juhl Grasshopper chair

Stuhl The Grasshopper by Finn Juhl. Bild über Dezeen

 

Kreative Konzepte zur Wiederverwendung von Kunststoff

Eine der fundamentalen Fragen unserer Zeit: Was können wir tun im Hinblick auf die wahrscheinlich katastrophalen Konsequenzen, die unsere Abhängigkeit von Einweg-Plastikgegenständen für die Umwelt hat? Diese Frage beschäftigt auch viele Mitglieder der Welt des Designs. Wie kann bei einer so großen Menge an Plastikmüll das umweltschädliche Wegwerfmaterial zu Designzwecken genutzt werden?

Im Dezember 2018 lancierte die Mailänder Design-Galeristin Rossana Orlandi den ersten ‘Ro Plastic Prize’, mit dem sie die Designer dazu herausforderte, neue Lösungen für Wiederaufbereitung und Wiederverwendung von Kunststoff zu entwickeln. Als Teil von Orlandis Initiative ‘Guiltless Plastic’ (Schuldloser Kunststoff) wurden die besten Projekte während des Fuorisalone in der Rossana Orlandi Gallery ausgestellt. Eines der Siegerprojekte war ‘Plastex’ des in Kairo ansässigen Reform Studio. Das umweltfreundliche Material Plastex – ein Kunststoffgewebe- wird aus weggeworfenen Plastiktüten hergestellt.

 

Vibia Stories - Plastex by Reform Studio

Plastex by Reform Studio. Foto © Reform Studio

 

 

Gerard McGuickin

Gerard McGuickin von Walnut Grey Design
ist freier Designautor in Belfast.

 

 

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Auf Instagram: Euroluce 2019

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